Eröffnung des ersten Kindergartens für Fabrikarbeiter-Kinder in Netstal (1867) -eine Pionierleistung

Jakob Kubli

  

In den 1860er Jahren, als die Baumwolldruckerei in höchster Blüte stand und Männern 

und Frauen in Netstal lohnende Beschäftigung bot, wurde auf Anregung des evangelischen Dorfpfarrers Georg Heussi und des Kirchenrates durch den Frauenverein 1867 eine Kleinkinderbewahranstalt ins Leben gerufen. Sie wurde im südlichen Zimmer des Erdgeschosses im Schulhaus untergebracht. Die Kosten bestritt man aus Beiträgen der Kirchgemeinde sowie aus freiwilligen Spenden. Schon nach wenigen Jahren erkannten die Bürger den Segen der neuen Einrichtung. Der Andrang war gross, so dass die Lehrerin alle Hände voll zu tun hatte, um beispielsweise 1891 über 80 Kinder zu beaufsichtigen.  

Mit dem Niedergang der Baumwolldruckerei nahm die Schülerzahl ab und manche Eltern hielten aus hygienischen und erzieherischen Bedenken ihre Kinder von der Kleinkinder-  schule fern. 1877 verlegte man das Schulzimmer ins Untergeschoss des Saales vom Restaurant Harmonie. Es eignete sich allerdings wenig für diesen Zweck. Es war schattig, dunkel und ungemütlich. 

Dem Schwandener Sekundarlehrer Konrad Auer, Vater des Netstaler alt Gemeinde- 

präsidenten Dr. Konrad Auer, kam das grosse Verdienst zu, neuzeitliche Kindergärten vorbereitet zu haben. In einer 1907 erschienenen Schrift schilderte er die dumpfen und nutzlosen Zustände in den Gäumereien und stellte die Richtlinien für die notwendigen

Verbesserungen auf.

 In der Folge gründete Pfarrer Paul Thürer 1924 die «Stiftung zur Errichtung einer Kleinkinderschule in Netstal» an welcher sich fünf Firmeninhaber oder deren Vertreter 

mit Fr. 20 000 beteiligten um einen neuen, von der Kirche unabhängigen Kindergarten 

zu schaffen. Es wurden bis zur Ausrichtung der Landesbeiträge Zuschüsse an die evangelische Kleinkinderschule ausgerichtet. 

 

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