Prominente Netstaler

Fritz Weber, tief verwurzelt im Wiggisdorf

 

Alt Regierungsrat Fritz Weber-Worni kann auf eine langjährige Politkarriere zurückblicken. Er ist ein Netstaler durch und durch. Im Dorf ist er persönlich genauso verwurzelt wie das Geschlecht der Weber. Der Name Weber gehört in Netstal zu den Urgeschlechtern – einer von ihnen ist Fritz Weber-Worni.

 

Von Susanne Peter-Kubli

 

Fritz Weber in seinem Archiv
Fritz Weber in seinem Archiv

 

 Ein alter Netstaler mit vom Wind zerzaustem, weissem Haar marschiert durchs Dorf. Hinter sich her

zieht er einen Leiterwagen. Fritz Weber-Worni haftet nichts Magistrales an. Und   der ehemalige Regierungsrat und Landammann ist auch stolz darauf, ein alter Netstaler zu sein.

Dass sich die Zeiten ändern, dessen ist Fritz Weber sich bewusst. Dass er aber mit der Gemeindefusion sein Netstaler Bürgerrecht verloren hat, wurmt ihn schon ein bisschen. Er erinnert an die einstige Bedeutung des Gemeindebürgerrechts und an die Zeit, als zwischen Bürgern und Niedergelassenen sorgsam unterschieden

wurde. So war Letzteren zwar das Auflesen von dürren Ästen im Wald erlaubt, nicht aber der Holzschlag. Später waren auch Niedergelassene an eine Holzgant zugelassen, doch erst im zweiten oder dritten Umgang, als die besonders schönen und ertragreichen Holzteile schon vergantet waren. Andere Einschränkungen betrafen etwa das Heuen der Ausserallmeinden (Schlettern, Güntlenau, Butzi und Schlatt) oder das Wildheu. Einzig das Maikäfersammeln war den Zugezogenen ohne Einschränkung gestattet: Hauptsache, möglichst viele dieser Schädlinge wurden gesammelt und vernichtet.

Die GeschlechterRangliste von Netstal wurde bis 1930 angeführt von den Leuzinger. Ihnen folgten die Weber, Kubli und Spälty. Zehn Jahre später waren die Weber erstmals das zahlenmässig stärkste Geschlecht im Wiggisdorf. Als Fritz Weber-Worni 1953 die Stelle als Gemeindeverwalter antrat, umfasste der Steuerrodel, wie er sich erinnert, nicht weniger als 30 Fritz oder Fridolin Weber. «Deren vier hatten wir während des Zweiten Weltkriegs gemeinsam die Sekundarschule besucht. Für einzelne Fächer wurden die drei Klassen zusammengezogen, sodass zeitweise vier Fritz Weber gleichzeitig im selben Raum sassen. Stellte der Lehrer eine schwierige Frage und richtete sie an Fritz Weber, so  spekulierte jeder, dass wohl einer der drei anderen gemeint war. Damals hatten wir viele Stellvertreter, die angesichts der Schüler mit gleichem Namen nicht

immer den Durchblick hatten, was uns manchmal sehr gelegen kam», erinnert sich Fritz Weber. Später im Turnverein waren es gar fünf Fritz Weber, die der Einfachheit halber nach dem Zeitpunkt ihres Eintritts durchnummeriert wurden. Merkwürdigerweise sei er aber, so Fritz Weber, kaum mit den anderen Weber des Dorfs verwandt oder zumindest nur weit entfernt. Sein Grossvater hatte nur zwei Söhne, von denen der eine, Fritz’ Vater, nach Netstal zurückkehrte und Gemeindeverwalter wurde, während der andere, Kaspar, nach Bern zog. Fritz Weber selber hat zwei Schwestern. Somit gebe es weder Weber-Cousins noch -Neffen im Dorf.

Landammann Fritz Weber-Worni
Landammann Fritz Weber-Worni

Für Fritz Weber hat das Verwurzeltsein im Dorf unbestritten Vorteile. Als Ur-Netstaler und ehemaliger Gemeindeverwalter (dazu über dreissig Jahre Zivilstandsbeamter und  Gemeindepräsident) kannte er die Sorgen und Nöte der Leute. Der  familiäre Hintergrund der meisten, die im Gemeindehaus um einen Rat anklopften, war ihm

bekannt und manchmal liessen sich aufgrund dieses Wissens einfachere, sprich unbürokratische Lösungen finden. Diese Nähe sei in den letzten Jahren wegen der Entwicklung der Bevölkerung und erst recht mit der neuen Art der Kommunikation – E-Mails statt persönliche Gespräche – weitgehend verschwunden, was er sehr bedauert.

Die Gemeindefusion habe da vieles verändert, mittlerweile sei Netstal bloss noch ein Dorfteil von Glarus, oder, wie es Fritz Weber schon fast ketzerisch formuliert, «das Ruhrgebiet von Glarus» geworden.

Das Lokale und Regionale prägte und dominierte auch die politische Laufbahn von Fritz Weber. Er war Landrat und während 18 Jahren freisinniger Regierungsrat. «Innerhalb der Partei wurde einmal über meine Kandidatur für den Ständerat diskutiert, aber ich war vielen meiner Parteigenossen zu grün. So traf die Wahl Kaspar Rhyner.

Aber ich war auch gar nicht unglücklich darüber, denn mehrere Wochen im Jahr ausserhalb des Kantons zu verbringen, mochte ich nie.» Reisen dagegen unternimmt er gerne und häufig. Doch kommt er auch ebenso gerne wieder nach Hause, wie das ein alter Netstaler eben tut.

 

aus Südostschweiz