Prominente Netstaler

Christian Meier, feuriger Befürworter demokratischer Grundsätze

Erster Glarner SP-Politiker im Nationalrat

 

von Hans Speck

 

 

 

Ich mag mich noch sehr gut an den markanten Mann mit dem grossen, schwarzen Hut erinnern. Nationalrat Christian Meier wohnte in einem einfachen, gemütlichen Wohnhaus am Postweg in der Nähe der Metzgerei Jakob Kamm. Nationalrat und Gemeinderat Christian Meier, der meistens in einen schwarzen Anzug gekleidet war, sahen wir Lausebengel wohl aufgrund seiner politischen Tätigkeiten eher selten, obwohl sein Wohnhaus sich mitten in unserem Revier befand und unsere "Jugendgang“ täglich das Quartier rund um den Wohnsitz unseres Protagonisten unsicher machte. Als Nationalrat mit prall gefüllter Agenda und all den vielen Sessionswochen, Verpflichtungen und Repräsentations-Aufgaben weilte und wohnte Nationalrat Meier vermutlich mehr in der Bundeshauptstadt in Bern als in seiner Wohngemeinde in Netstal.

 

Vom Schreiner zum Bundespolitiker

Christian Meier kam am 3. Juni 1889 in Netstal als Sohn des Giessers Christian Meier und der Maria, geborene Leuzinger, zur Welt. Meier erlernte den Beruf eines Schreiners. Ab dem Jahre 1911 war er in verschiedenen Grossstädten in Deutschland beschäftigt. Daneben eignete er sich autodidaktisch Wissen über volkswirtschaftliche und sozialpolitische Belange an. Im Jahre 1918 übernahm Meier das Amt als Arbeiter-Sekretär für den Kanton Glarus. Im gleichen Jahr avancierte er zum Präsidenten des Kantonalen Gewerkschaftskartells. Dieser Institution blieb er als Vorsitzender einundvierzig Jahre treu. Im Jahre 1921 heiratete er Maria, die Tochter des Johann Hemmi. Christian Meier starb am 3. Dezember 1959, ein halbes Jahr nach Vollendung seines 70. Lebensjahres im Kantonsspital in Glarus vermutlich an einer Lebensmittelvergiftung.

 

SP-Politiker aus altem Schrot und Korn

Christian Meier stellte seine Dienste der Gemeinde Netstal während über dreiunddreissig Jahren von 1926 bis zu seinem Tode im Jahre 1959 als engagierter und äusserst geschätzter Gemeinderat uneigennützig zur Verfügung. In dieser Zeit setzte er sich mit viel Enthusiasmus und Engagement für die sozialen Anliegen aller Mitbürger ein. Auf kantonaler Ebene war er zwischen 1920 und 1959 im Glarner Landrat vertreten. Stets war ihm das soziale Gedankengut seiner Partei ein treuer Wegbegleiter. Als erster Glarner SP-Politiker wählten ihn die Glarner Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Jahre 1943 in den Nationalrat. Dies war zugleich sein politischer Höhepunkt. Seine Worte fanden in der grossen Kammer in Bern jeweils grosse Beachtung und die Wertschätzung bei seinen Ratskollegen war über alle Parteigrenzen hinweg gross. Im Nationalrat war Meier unter anderem als Mitarbeiter in der AHV-Kommission tätig. Zudem präsidierte er zwischen 1918 und 1959 die SP des Kantons Glarus. In den Jahren 1919 bis 1959 gehörte er dem Zentralvorstand der SPS an. Christian Meier war ein entschiedener Gegner des Anarchismus und feuriger Befürworter demokratischer Grundsätze. So engagierte er sich für den Ausbau der Arbeitslosen-Versicherung und für Kollektiv-Arbeitsverträge im Gewerbe und in der Industrie.