Geschichten aus der Jugendzeit

Füürstei, Füürstei.....!

Von Hans Speck.

 

Die nachfolgende Geschichte hat mir Tildi Lüthi, die Mutter meines besten Freundes Urs kürzlich erzählt. Die Lüthis wohnten im kleinen Häuschen an der Landstrasse, nördlich bei der alten Post. Urs und ich waren täglich zusammen und machten das Quartier rund um den Postweg und den Kirchweg unsicher. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass ich zum Zeitpunkt des nachfolgenden Ereignisses als aufgeweckter, fünfjähriger Lausebengel noch nicht alles wissen konnte. Doch alles der Reihe nach.

 

Einmal führte ein Leichenzug entlang der Hauptstrasse zum Friedhof bei der reformierten Kirche exakt beim Haus der Familie meines Freundes Urs vorbei. Damals wurden die sterblichen Überreste eines Menschen in einem Sarg auf einem speziellen Gefährt auf vier Rädern, ähnlich dem eines Zirkus- oder Comedy-Wagens, zur letzten Ruhestätte gefahren. Hinter dem Leichenwagen folgte die Trauerfamilie und im Anschluss das Leichengeleit. Viele Leute zusammen: Das kam mir doch irgendwie bekannt vor. Da war doch kürzlich vor der Katholischen Kirche eine ähnliche Ansammlung vieler Leute, die den Kindern auf deren Zuruf "Füürstei, Füürstei“ zuckersüsse "Züggi“ in die Menge warfen. Und genau mit diesem Zuruf "Füürstei, Füürstei…“ erbettelten wir Jungs jeweils bei Hochzeiten die heiss begehrten, süssen Bonbons, welche nebst dem eigenen Gaumen längerfristig auch den Zahnarzt erfreuten. Aber wie um Himmelswillen kam ich dazu, die begehrten "Füürstei“ ausgerechnet von den Leuten im Leichenzug zu erbetteln? Wie konnte ich eine Beerdigung mit einer Hochzeit verwechseln? Ich finde beim besten Willen keine Erklärung. Aber eines weiss ich ganz bestimmt. Seit diesem peinlichen Vorfall existiert bei mir der Begriff "Bodä-Hochset“!