Dr "Zeiger Frigg"

Fridolin Kubli, "Zeiger Frigg"
Fridolin Kubli, "Zeiger Frigg"

von Hans Speck

 

Sein Name war Fridolin Kubli. Frigg, wie er von allen genannt wurde, ist im Stählihaus, auch Riegelhaus genannt, zur Welt gekommen. Zeitlebens wohnte er dort. Der "Zeiger Frigg“ war ein Nachfahre des Zeigers Gabriel Kubli. Dieser hatte damals die Aufgabe, beim Schiesstand, respektive Zeigerstand, jeweils die Ergebnisse auf der Scheibe anzuzeigen. Daher dieser Übername. Der "Zeiger Frigg“ war ein grossgewachsener, schlaksiger Mann und dazu ein ausgekochtes Schlitzohr. Seine Markenzeichen waren einerseits sein buschiger, schwarzer Vollbart, andererseits seine wollene Mütze, die er zu jeder Jahreszeit auf seinem dichtbehaarten Kopfe trug. Was den Zeiger Frigg aber speziell auszeichnete, war einerseits seine unglaubliche Schlagfertigkeit, andererseits die eher zweifelhafte Eigenschaft, den Leuten ab und zu "e truurige Chaib aazgii“. Der Harmonie-Heiri hat mir die nachfolgenden Zeiger-Frigg-Müsterchen kürzlich erzählt.

Einmal habe der Frigg am Stammtisch in der "Harmonie“ brühwarm erzählt, er möge sich noch sehr gut daran erinnern, wie er auf die Welt kam. Da sei sein Vater in geflickten Überhosen an sein Bettchen im Riegelhaus getreten. Schon damals habe er gedacht: „ Momoll, da bisch gläb ine rächti Famili inechuu!“

 

Ein weiteres Müsterchen vom Zeiger Frigg, der zu seiner Zeit auch bekannt war als "Ziger-Frigg" und in unseren Landen unterwegs, um das älteste Glarner Handelsprodukt, den Ziger an den Mann, respektive an die Frau zu bringen. Offenbar war in den Jahren 48, 49 und 50 der "Zeiger-Frigg" mit dem Fiskus im Clinch. Er hatte schlicht und einfach die Steuern in diesen Jahren nicht bezahlt. Damals wurden die Steuersäumigen in der Gemeinderechnung ausgeschrieben. Der "Zeiger-Frigg" wurde eines Abends am Stammtisch in der "Harmonie“ auf dieses brisante Thema angesprochen. Auf die ketzerische Frage eines Saufkumpanen hin, was denn die Zahlen 48, 49 und 50 und sein Name in der Gemeinderechnung bedeuteten, antwortete der "Zeiger-Frigg" kurz und bündig und für jedermann verständlich: „Das isch mini nüü Telefonnummere!"

 

Einmal fand die Bürgergemeinde aus irgendeinem Grunde ausnahmsweise im Saale der "Harmonie“ statt. Auf der Traktandenliste stand der Verkauf der Leuzinger Güter. Irgendwie verlief der ganze Handel nicht ganz nach dem Gusto unseres Protagonisten. Nach einigen Voten und Erklärungen unseres Gemeindepräsidenten Konrad Auer senior erhob sich unvermittelt der "Zeiger-Frigg" und erklärte den anwesenden Stimmbürgern, er käme soeben vom Markt in Einsiedeln zurück, und wenn man schon so grosszügig Güter verkaufe, könne ihm ja die Gemeinde die Spesen für seine Zigerreisen bezahlen. Weiter sprach er zum verdutzten Netstaler Gemeindeoberhaupt: „Das isch alles nüd i Ordnig, de einte händ uusinnig Klang (mit Klang meinte er Geld) und de andere händ nüüt. Me chännt doch alles ehr und redli teile.“ Gemeindepräsident Auer antworte darauf mit Anspielung auf seine Arbeitslosigkeit mit den Worten: „Ja, Herr Kubli, das chännt me schu mache, aber da hetted die, wo schaffed, wider meh als die, wo nüüt tüend.“ Auf das präsidiale Votum hin antwortete unser Frigg: „ Jä, da chännt me ja nuch ämal teile.“