Chäpp  1 und Chäpp 2

Chäpp Schmuckli in seinem Element anlässlich des Jubiläums „75 Jahre Feuerwehr Netstal“.
Chäpp Schmuckli in seinem Element anlässlich des Jubiläums „75 Jahre Feuerwehr Netstal“.

von Hans Speck

 

Die älteren Semester von Netstal erinnern sich gerne an die beiden legendären “Chäppä“. Der eine hiess Weber, der andere Schmuckli. Beide waren bei der Netstaler Bevölkerung beliebte und populäre Originale, vielleicht sogar die letzten, die in unserem Dorfe ab und zu für Furore sorgten. Chäpp 1 (das war der Weber) und Chäpp 2 (das war der Schmuckli) waren bei der Gemeinde als Hilfsarbeiter angestellt und mit ihren orangefarbenen Arbeitskleidern kaum zu übersehen. Das Duo “Chäpp und Chäpp“ kannte mittlerweilen jedes Kind im Dorf und die Popularität der beiden Strassenwischer entsprach jederzeit jener des Gemeindepräsidenten. Selbst die bekannten Schnitzelbänggler “Rätschbäse“ benutzten über die Fasnachtszeit die Namen der beiden “Chäppe“ als ihr Pseudonym. Täglich von morgens früh bis Feierabend, sogar manchmal bis zur Polizeistunde, waren die “Siamesischen Zwillinge“ zusammen und verrichteten bei Wind und Wetter, manchmal mehr oder weniger motiviert, ihre Arbeiten, und wenn es ihnen zu bunt wurde, war kurzerhand eine Pause angesagt. Während dieser Zeit war keiner von beiden zu keinem Zeitpunkt einem kühlen Bierchen oder einem wärmenden Schnäpschen abgeneigt. „Mir sind d’Original Netschteler Striichmusig“, frotzelte mein Götti, der Schmuckli Chäpp. Kaum einer hätte seine berufliche Tätigkeit in der Gemeinde besser und blumiger umschreiben können als er. Tatsächlich gehörte das Streichen zu den Haupttätigkeiten der beiden Chäppä. Mit ihren Reisbesen säuberten sie jahrzehntelang tagtäglich die Strassen, Gassen und Plätze in unserem Dorfe. Niemand konnte es ihnen deshalb verargen, wenn sie im Laufe der Zeit gemeinsam einen eigenen Arbeitsrhythmus entwickelten. Dazu gehörten halt auch ihre unvermeidlichen Pausen ganz nach Bedarf. Nachstehend zwei kleine Episoden, welche nebenbei auch in der Chronik “100 Jahre Feuerwehr Netstal“ festgehalten wurden.

Chäpp 1
Chäpp 1

Chäpp 1

Seine grossen Auftritte hatte Chäpp Nummer 1 jeweils an der Feuerwehr Hauptversammlung. Früher wurde diese bekanntlich traditionsgemäss immer am ersten Februarsamstag durchgeführt. Um diese Jahreszeit war vielfach auch Fasnacht, und so liess es sich der oft nach einem Feuerwässerchen benannte Chäpp 1 nicht nehmen, als “Maschger“ verkleidet, mit viel Klamauk und Lärm die Hauptversammlung der Netstaler Feuerwächter mit einer stimmungsvollen Ouvertüre zu eröffnen. Spätestens zum Zeitpunkt, als Chäpp 1 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an den Hauptversammlung teilnehmen konnte, wurde vielen bewusst, dass das “i-Tüpfchen“ an der Hauptversammlung künftig fehlen würde.

 

Chäpp 2

Der Schmuckli Chäpp war bekannt für seine kernigen Sprüche und sein Aufmucken gegen die Feuerwehr-Obrigkeit. Die Versammlungsteilnehmer quittierten seine Auftritte mit schallendem Gelächter. Seine obligaten Zwischenrufe, bei denen er weder den Kommandanten, dessen Chargierte, noch die anwesende Polit- und Feuerwehrprominenz verschonte, bleiben unvergessen. Und wenn Chäpp 2 einmal zu stark gefordert wurde, liess er seine (vermeintlichen) Muskeln spielen. So geschehen einmal nach einer Hauptversammlung im Saale des Restaurants Harmonie. Während das Gros der Feuerwehrmänner sich unten im Restaurant vergnügte, blieben die eben frisch in den Kreis der Feuerwehr aufgenommenen Rekruten im Saal zurück. Dabei nutzten diese die Gelegenheit, die noch halb vollen Bierflaschen auszutrinken. Chäpp 2, der wohl etwas zu tief ins Glas geschaut hatte, und folgedessen am Tische einge-schlafen war, erregte die Aufmerksamkeit des Netstaler Feuerwehr-Nachwuchses. Nachdem die Lausebengels Chäpp einige Zeit mit allerlei Schabernack gehänselt hatten, erwachte Chäpp 2 jäh aus seinem Tiefschlafe, rollte seine Augen und schnauzte die verdutzten Bengels an: “Früener hett mä dere we üüch mit eim Streich undere Tisch gschlage!“ Sprach's und setzte seinen Tiefschlaf einfach einen Stock tiefer im Restaurant fort.