Leuzinger - ein grosses Glarner Geschlecht

Von Hans Speck

Auszug aus dem Stammbaum der Leuzinger.
Auszug aus dem Stammbaum der Leuzinger.
Das Wappen der Leuzinger.
Das Wappen der Leuzinger.

 Ursprünglich stammt der Name Leuzinger vom altdeutschen Kurznamen "Liuzo“. Die Leuzinger stammen nachweislich aus dem Weiler Leuzingen in Netstal auf der Ostseite des Tales. So steht es auch im Urbar von Säckingen aus dem Jahre 1395. Bei den Leuzinger handelt es sich um eine  alteingesessene Familie, die nie zu den führenden Geschlechtern aufstieg, jedoch im Rat meistens vertreten war; sowie verschiedene Landvögte stellte. Stammsitz ist unzweifelhaft der heute mit Netstal zusammengebaute Weiler Leuzingen, und von hier aus hat sich das Geschlecht vor allem in die Nachbargemeinden Glarus und Mollis ausgebreitet.

 

Prominente Leuzinger aus Leuzingen

Zwei Netstaler Urgesteine am Leuzinger-Treffen 2017, alt Förster Jakob Leuzinger und die Organisatorin des Leuzinger-Treffens 2017  Vreni Schiesser-Leuzinger, Tochter vom Schreiner Hans Leuzinger.
Zwei Netstaler Urgesteine am Leuzinger-Treffen 2017, alt Förster Jakob Leuzinger und die Organisatorin des Leuzinger-Treffens 2017 Vreni Schiesser-Leuzinger, Tochter vom Schreiner Hans Leuzinger.

Die Leuzinger von Netstal sind schon im 14. Jahrhundert bezeugt. Im Jahre 1372 ist "Wernher von Lützigen“ als  einer der 42 Bürgen für Säckingen erwähnt, und im Jahr 1395 kommt "Ruodolff Luitziger von Luizinge“ in gleicher Eigenschaft beim Auskauf vom Rheinkloster vor. Die Leuzinger bekleideten in der Folge in  Netstal, wo sie lange Zeit das stärkste Geschlecht stellten, verschiedenste Gemeindeämter, traten aber im Übrigen politisch eher wenig in Erscheinung. Zwölferrichter Hans, der im Jahre 1549 fünfundvierzig Alpstösse besass, wurde 1536 Landvogt von Werdenberg und vertrat später das Land zweimal an Tagsatzungen. Neunerrichter Johann Melchior wurde 1723 Kriegsrat und Landeshauptmann sowie zwei Jahre später Landvogt von Werdenberg. Kirchenvogt Melchior (1631 – 1706) ist als Bauherr der evangelischen Kirche überliefert und Johan Jakob (1790 – 1861) gehörte der Standeskommission an. Die Leuzinger trugen dann auch noch zur Industrialisierung bei. Der ehemalige Landschreiber, Rabenwirt Johann Jakob ((1762 – 1840), erbaute im Zaun die sogenannte "Rappenfabrik", wo er zuerst eine Türkischrot-Färberei betrieb, die er später in eine Druckerei umwandelte. Gemeinde-Präsident Johann Heinrich (1841 -1918) baute 1868 eine Weberei im Auli ob Riedern, die dann 1910 abbrannte, worauf er den Betrieb nach Riedern verlegte. Aus Netstal stammen auch die Leuzinger, welche einige Zeit der Baumwolldruckerei Holenstein in Glarus vorstanden. Internationale Bedeutung erlangte der Kartograf Rudolf Leuzinger (1826 – 1896), der als bedeutender schweizerischer Lithograph des 19. Jahrhunderts gilt und ein grosses kartographisches Werk hinterliess.

 

Die Leuzinger aus Glarus

Leuzinger dürften mindestens seit dem 16. Jahrhundert in Glarus gewohnt haben, und ein Teil der Netstaler Leuzinger besass schon damals das Bürgerrecht des Hauptortes, wo sie vor allem als Handwerker und später als Fabrikarbeiter tätig waren. Einige übten auch technische Berufe aus. Sie bekleideten eher wenige Gemeindeämter, stellten jedoch einig Male den Spitalvogt. Unter den Glarner Leuzingern sind namentlich der Schulmann Peter (1826 – 1900) und der Architekt Hans Kaspar (1887 – 1971) zu erwähnen. Ersterer leitete das sogenannte Spielbergsche Institut und stand als Rektor der Höheren Stadtschule vor. Dr. h.c. Hans Kaspar Leuzinger machte sich vor allem um die Restauration des Freuler Palastes verdient. Im Jahr 1928 bezogen zweiunddreissig Familien Leuzinger den Tagwennutzen.

 

 

Die Molliser Leuzinger

Im Gegensatz zu den Stadtglarner Leuzinger sind die Stammväter der Molliser bekannt. Im Jahr 1578 kaufte sich Wolfgang, der neben dem Netstaler auch das Glarner Bürgerrecht besass, das dortige Tagwenrecht, und 1582 erstand David dieses Recht, war jedoch nur in Netstal Tagwensbürger gewesen. Die beiden begründeten

einen zahlreichen angesehenen Stamm, der Gemeinde und Land mehrere Funktionäre schenkte. Jakob (1593 – 1666) amtete 1642 bis 1644 als Landvogt im Thurgau und wurde 1650 Hauptmann zu Wil. Der gleichnamige Chorrichter (1658 – 1695) sass in seinen letzten Jahren als Landvogt in Lugano. Neunerrichter Johann Jakob (1690

– 171?) amtete als Landessäckelmeister, und sein Namensvetter (1694 – 1770) verwaltete die

Finanzen des evangelischen Landesteils. Unter den späteren Molliser Leuzingern ist Kriminalrichter Georg (1818 – 1860) zu erwähnen, der als Architekt beispielsweise die Villen "Burgstein“ in Ennenda und "Martina“ in

Netstal sowie das Bürgerasyl Glarus baute. 1929 waren in Mollis 64 nutzniessende Tagwensbürger mit dem Namen Leuzinger verzeichnet.

 

Leuzinger aus aller Herren Länder am Leuzinger-Treffen 2017.
Leuzinger aus aller Herren Länder am Leuzinger-Treffen 2017.

Quellennachweis: Auszug aus dem Buch "50 alte Glarner Familien“ von Dr. Fritz Stucki,Netstal

 

Das Buch zu den Familien Leuzinger:

Vreni Schiesser - Leuzinger (Kindergärtnerin in Haslen) hat viele Geschichten der Leuzinger gesammelt und in einem Buch "Das Glarnerland" anlässlich des Leuzingertreffens 2017 veröffentlicht. Dieses Buch ist bei der Buchhandlung Bäschlin in Glarus erhältlich.

 

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